Demokraten aller Länder, vereinigt euch!

Gemeinsam für Freiheit, gerechten Frieden und Demokratie.

Das neue Jahr ist noch keine zwei Wochen alt und fühlt sich dennoch schon genauso an wie die vergangenen zwölf Monate davor.

Kaum waren die letzten Reste vom intensiven Raclettekäse gegessen, die guten Neujahrsvorsätze am Verblassen und der Schrecken über drei Kilo mehr nach den ganzen Fressgelagen verdaut knallte uns die Realität der Welt wieder an den Kopf.

Russland führte seine Angriffe auf die ukrainische Energieversorgung und zivile Infrastruktur weiter, was niemanden mit klarem Verstand überrascht hat.

Im Iran ging die islamistische Mullahdiktatur so brutal gegen Demonstranten vor, dass das junge Jahr schon über 100 Todesopfer zu beklagen hat.

Die USA zerbrachen im Schnelldurchlauf den Rest der alten Weltordnung und attackierten Venezuela.

Zusätzlich nahmen die Drohungen von Präsident Donald Trump zu, sich Grönland zur Not auch militärisch einzuverleiben - wie es sich seinen Verbündeten gegenüber gehört.

 

Experten sehen die werteorientierte Weltordnung in Trümmern liegen.

Der Politologe und USA-Fachmann Siebo Janssen erklärt etwa im Gespräch mit dem "Merkur":

"Die drei großen Mächte USA, China und Russland teilen sich die Welt auf, Indien entwickelt sich derweil zur vierten Großmacht."

 

Finnlands Präsident Alexander Stubb äußerte sich zum Jahresende ebenfalls deutlich:

"Wir müssen jetzt damit beginnen, die Machtverhältnisse innerhalb der Uno und anderen internationalen Organisationen wie der Welthandelsorganisation, dem Internationalen Währungsfonds und der Weltbank neu zu ordnen. Ohne diese Änderungen wird das multilaterale System zusammenbrechen. Dieses System ist nicht perfekt; es hat inhärente Mängel und kann niemals die gesamte Welt repräsentieren. Aber die Alternativen sind weit schlimmer: Einflusssphären, Chaos und Unordnung."

Photo: Emmi Syrjäniemi / Office of the President of the Republic of Finland
Das Bild entstand am 17.11.2025 in Brüssel beim Zusammentreffen von Stubb mit Kommissionschefin Ursula von der Leyen

 

Es ist eindeutig:

Unser System, welches uns in den letzten Jahrzehnten ein gewisses Grundmaß an globaler Stabilität und Orientierung gegeben hat liegt in seinen letzten Atemzügen.

Das ist ein enormes Risiko - bietet aber auch neue Chancen, wenn wir diese in der internationalen Gemeinschaft ergreifen.

 

Wie soll das eine Chance sein?

Krisen lassen uns regelmäßig unsere Werte in Frage stellen.

Wir gehen in uns und fragen uns, wer wir wirklich sind - wie wollen wir sein, wohin wollen wir?

Das gilt jedoch nicht nur für uns als Individuen: Auch als Gesellschaft insgesamt betreffen uns solche Überlegungen.

Wenn wir uns jetzt noch deutlicher für unsere Demokratien entscheiden dann haben wir die Möglichkeit, näher zusammenzurücken.

Dieser Schritt ist nicht nur wünschenswert, sondern absolut notwendig - ansonsten werden wir tatsächlich in der neuen Weltordnung zerrieben.

 

Wie soll das funktionieren?

Die Antwort ist vielschichtig.

  1. Die demokratische Welt muss lauter und konfrontativer auftreten: Gegenüber Diktatoren und solchen, die es gerne wären.
  2. Wir müssen unsere Allianzen neu verknüpfen: Stärkerer diplomatischer, wirtschaftlicher, militärischer, geheimdienstlicher und kultureller Austausch bindet uns enger aneinander, schließt unsere Reihen und macht deutlich, dass wir uns nicht auseinandertreiben lassen.
  3. Internationale Organisationen müssen in ihrer Handlungsfähigkeit gestärkt werden: Wie kann es sein, dass der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen wahlweise von China, Russland oder den USA lahmgelegt wird - während die Staatengemeinschaft nur zuschauen kann? Es muss die Möglichkeit eines Mehrheitsprinzips statt Einstimmigkeit geschaffen werden; das gilt auch für den europäischen Rat, der regelmäßig von Viktor Orban sabotiert wird.
  4. Wir müssen unsere Staaten auch intern gegen Demokratiefeinde aufstellen. Dazu zählen starke und stärker zu sichernde Faktoren wie die Unabhängigkeit der Justiz und die Freiheit der Medien. Genauso jedoch zählt der Aufbau einer besseren Kommunikationskultur zwischen Politik und Bürgern...wer komplexe Zusammenhänge nicht versteht oder sich abgehängt fühlt, der wird anfälliger für platte Parolen und Scheinlösungen von Populisten.
  5. Zusammenrücken heißt voneinander lernen: Wo klappt die Digitalisierung super, in welchem Staat haben Extremisten wie die AfD kaum Chancen, wer hat die beste Bildung? Wenn wir uns zusammenschließen und uns auch mal positiv belehren lassen hat am Ende jeder etwas davon.
  6. Ein eigener "Global Player" werden. Wenn die Welt künftig von Staaten dominiert wird, welche Völkerrecht und demokratische Prinzipien außer Acht lassen müssen wir uns als gleichmächtiger Gegenpol positionieren. Wir können zeigen, dass sich Mitsprache auf globaler Ebene und Werte wie freie Wahlen oder Wahrung der Menschenrechte nicht ausschließen.
  7. Wir dürfen Menschen egal aus welchem Winkel der Welt nicht im Stich lassen, wenn sie nach Sicherheit suchen. Das bedeutet, dass wir offene Gesellschaften mit einfachen Migrations- und Asylregeln bleiben müssen. Für Deutschland gilt dabei auch, seine ehemaligen Ortskräfte aus Afghanistan nicht zu vergessen! -> Aufnahme der Ortskräfte aus Afghanistan, die die Bundeswehr unterstützen | WeAct
  8. Unsere Abschreckung durch militärische Stärke muss weiter ausgebaut werden, da Staatsführer wie Putin oder Trump nur diese Sprache verstehen. Das bedeutet auch, dass wir unsere Fähigkeitslücken wie etwa in der Luftverteidigung oder nachrichtendienstlicher Aufklärung mit oberster Priorität schließen müssen.
  9. Digitale und militärische Abhängigkeiten sollten wir intensiv überprüfen und abbauen; eine USA unter der Führung von Trump, J.D. Vance oder Pete Hegseth sind kein verlässlicher Partner mehr, im Gegenteil. Auch hätten wir mit weniger wirtschaftlicher Abhängigkeit etwa China gegenüber eine ganz andere Verhandlungsbasis angesichts des Verschwindens von Minderheiten wie den Uiguren oder der Drohungen in Richtung Taiwan.
  10. Open-Source-Lösungen oder zumindest europäische/kanadische Software als Standard für unsere Verwaltungen fördern: Auch das würde zu mehr Souveränität und weniger Abhängigkeit führen, genauso die Bevorzugung von Cloudanbietern aus unseren eigenen Staaten. Dänemark geht hier bereits voraus und stellt seine öffentliche Infrastruktur auf Open-Source-Lösungen vor. (Übrigens: Diese Webseite wird bei einem Anbieter gehostet, welcher völlig unabhängig von Microsoft und mit eigenem Rechenzentrum in Deutschland operiert. Zu diesem gelangt ihr über das Banner am Ende der Webseite, vielleicht auch für den einen oder anderen Betrieb interessant)

 

Wer soll das sein?

Zu dieser stärker zusammenrückenden demokratischen Gemeinschaft können gehören:

Europa,

Kanada,

Australien,

Neuseeland,

Japan,

Südkorea,

Taiwan,

Brasilien,

Uruguay,

Costa Rica,

Mauritius,

Chile,

Botswana

und viele weitere Staaten, in denen demokratische Grundprinzipien hochgehalten 


Wir brauchen nur zwei Dinge: Den Mut, für unsere Werte einzustehen und die Standhaftigkeit, diese zu bewahren - auch in stürmischen Zeiten.

 

Herzliche Grüße

Pascal Bähr

 

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Quellen und weiterführende Informationen:

https://www.merkur.de/politik/neue-weltordnung-trump-attacken-auf-venezuela-und-groenland-zerpulvern-europa-zur-kolonie-zr-94110238.html

https://www.watson.ch/international/analyse/706925794-der-kampf-um-die-weltordnung-ist-in-einer-entscheidenden-phase

https://de.wikipedia.org/wiki/Demokratieindex_(The_Economist)

https://www.tagesschau.de/ausland/asien/iran-proteste-272.html

https://osb-alliance.de/featured/daenemark-goes-open-source

https://www.swissinfo.ch/ger/aussenpolitik/der-sicherheitsrat-versagt-das-sind-die-gr%C3%BCnde/77615121

https://www.rnd.de/politik/diese-9-luecken-in-europas-verteidigung-sollen-gestopft-werden-TMPONA6KQVF4DDDGDULUYMPMYY.html

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